11.07.2018 - DOSB | Presse

Aus der Praxis: Im Gespräch über Duale Karriere

Im Gespräch über Duale Karriere: (v. l.) Sven Baumgarten, Lena Schöneborn, Robert Bartko (Foto: DOSB)
Im Gespräch über Duale Karriere: (v. l.) Sven Baumgarten, Lena Schöneborn, Robert Bartko (Foto: DOSB)
Wie kann Duale Karriere gelingen? Zum Beispiel so, wie es Fünfkämpferin Lena Schöneborn und Radsportler Robert Bartko gezeigt haben. Beide sind Olympiasieger und im Beruf erfolgreich.

Die beiden ehemaligen Athleten waren Gäste der Premiere einer DOSB-internen Gesprächsreihe unter dem Titel „Aus der Praxis: Im Gespräch über...“ zu den verschiedenen Themen des Deutschen Olympischen Sportbundes. Das Format im Haus des Deutschen Sports in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise soll dazu dienen, Fachthemen auch für Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ressorts erlebbar und anfassbar zu machen.

Die Talkreihe soll einmal im Monat jeweils für 45 Minuten stattfinden. Weitere bereits geplante Themen sind die digitale Kommunikation im August und die internationale Arbeit des DOSB im September.

Beide Gäste der ersten Veranstaltung der neuen Reihe haben auch den zweiten Teil ihrer Dualen Karriere erfolgreich begonnen. Der Weg zum Etappenziel Berufseinstieg war allerdings sehr unterschiedlich, wie sie den DOSB-Mitarbeitern berichteten.

Unterschiedliche Wege

Lena Schöneborn, Olympiasiegerin von Peking 2008 und mit insgesamt 34 Meisterschaftsmedaillen dekoriert, ist nicht nur die erfolgreichste Athletin ihrer Sportart. Sie hat es daneben auch geschafft, das schwierige Studium Business Administration in acht Jahren mit Bachelor und Master International Marketing abzuschließen. Erst in der vorigen Woche wurde sie vom Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf aus der Laufbahn als aktive Sportlerin verabschiedet. Mittlerweile arbeitet sie als Sportmarketing-Managerin beim Sportartikelhersteller Adidas.

Ihr Abitur hatte sie an einem normalen, soll heißen nicht sportbetonten Gymnasium in Niederkassel nahe Bonn absolviert; auch zur Sportart Moderner Fünfkampf fand sie eher zufällig. Und als sie vor der Wahl stand, entweder den trainingsintensiven Leistungssport oder eine Berufsausbildung weiter zu verfolgen, entschied sie sich für – beides. Ihre Duale Karriere gelang im Studium an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR), die seit vielen Jahren als Kooperationspartner des Olympiastützpunktes Berlin die Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport unterstützt. „Nur so können Studierende auch während ihrer akademischen Ausbildung hart trainieren und solche Spitzenergebnisse erzielen“, heißt es auf der Website der HWR.

Finanzieren konnte Lena Schöneborn das Studium auch durch ein Stipendium über das Olympic-Solidarity-Programm des Internationalen Olympischen Komitees. Kurz habe sie überlegt, stattdessen als Sportlerin die soziale Sicherheit der Bundeswehr zu suchen. Doch damals, so sagte sie, sei ein Nebeneinander von Studium, Training in der Sportfördergruppe und militärischem Dienst für sie kaum möglich gewesen.

Mittlerweile, so erläuterte Dr. Sven Baumgarten, beim DOSB für das Thema Duale Karriere zuständig, sind die Bildungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr gut: Insgesamt 740 Plätze stehen für Spitzensportler/innen zur Verfügung, darunter sind rund 400 Studierende.

41 Laufbahnberater, 4000 Einzelfälle

Immerhin konnte die erfolgreiche Fünfkämpferin im Masterstudium das Betreuungsangebot des Olympiastützpunktes Berlin nutzen. „Da sind wir viel weiter als in der Zeit, als Lena in den Leistungssport ging. Die Bedingungen für eine Duale Karriere sind in Deutschland mittlerweile gut“, sagte Sven Baumgarten. Beispielsweise arbeiten an den Olympiastützpunkten 41 Laufbahnberater, die mehr als 4000 Einzelfälle bearbeiten. Und dabei ist jeder dieser Einzelfälle anders. „Wir gehen davon aus, dass im Leistungssport der Weg in die Weltspitze zehn Jahre dauert, mit 25 bis zu 30 Stunden Training pro Woche und drei bis sechs Monaten Abwesenheit im Jahr“, so Baumgarten. Das für jede/n zu koordinieren, zu begleiten und dafür die richtigen Partner zu finden, ist jeweils ein ganz individuelles Puzzle.

Zu einer ganz anderen Zeit ging der frühere Radsportler Robert Bartko, bei den Spielen im Jahre 2000 in Sydney Olympiasieger im Vierer und in der Einzelverfolgung und danach auch als Profi erfolgreich, seinen eigenen Weg. Der 42-Jährige stammt aus dem Leistungssportsystem der ehemaligen DDR. Mit 14 Jahren wechselte er an die Sportschule Berlin, wo er, wie er erzählte, bestmögliche Rahmenbedingungen für den Sport fand. „Hier stand der Sport im Vordergrund, auch für die Karriere nach dem Sport, aber immer unter dem sportlichen Aspekt.“ Allerdings brach er die Schule nach der zehnten Klasse ab und verpflichtete sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr.

Bundeswehr fördert Bildungsmöglichkeiten

Auch bei Robert Bartko beflügelten die Bedingungen die sportliche Karriere weiter, aber letztendlich auch das duale Weiterkommen. Bartko nutzte die Möglichkeit, die Hochschulreife nachzuholen, zu studieren und in den Beruf zu wechseln.

Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ist er für Sportförderung, gesellschaftliches Engagement und Veranstaltungsmanagement zuständig. Daneben übt er ehrenamtlich das Amt des Vizepräsidenten Leistungssport beim Landessportbund (LSB) Berlin aus. Er sieht das als Möglichkeit, weitere Facetten des Sports kennenzulernen.

Haben die beiden ehemaligen Athleten in ihrem Sport auch etwas gelernt, das ihnen nun im Beruf weiterhilft? Zu Beginn ihrer Laufbahn sei ihr das nicht bewusst gewesen, erzählte Lena Schöneborn. Aber sie habe gemerkt, dass viel Organisationstalent nötig sei, nicht nur in der Sportart, die durch die verschiedenen Disziplinen schon sehr speziell sei, sondern auch in der Kombination mit dem Studium. „Das ist ein großer Vorteil, den Sportler mitbringen“, sagte sie. Als Aktivensprecher habe sie gemerkt, dass die Zielstrebigkeit und besondere Einstellung später im Beruf helfen können.

Robert Bartko kann das nur bestätigen. „Soft Skills, die als Sportler spielerisch erlernt werden, können im Berufsleben adaptiert werden“, sagte er.




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