28.01.2019 - leichtathletik.de

Andreas Bechmann holt sich mit sieben Bestleistungen das Siebenkampf-Gold

Der Deutsche Hallenmeister im Siebenkampf heißt Andreas Bechmann. Der Frankfurter sammelte in Halle/Saale in einem spannenden Wettkampf auf dem Weg zum Titel sieben Einzel-Bestleistungen. In der U20 und der U18 setzten sich Maximilian Kluth und Felix Neudeck souverän durch.

Andreas Bechmann hat am Sonntag in Halle/Saale selbst die Experten verblüfft. Mit einer U20-Zehnkampf-Bestmarke von 7.528 Punkten und Platz vier der U20-DM bei seinem letzten Siebenkampf-Auftritt war er zur Mehrkampf-DM gereist. Mit 6.017 Punkten und der Männer-Goldmedaille in einem Feld mit vier 8.000-Punkte-Zehnkämpfern konnte er die Heimreise antreten.

An Tag zwei setzte Andreas Bechmann mit 8,43 Sekunden über die Hürden seine Bestleistungsjagd fort. Im Stabhochsprung schraubte er sich gar über 5,20 Meter. Dann nahm er über 1.000 Meter noch einmal die Beine in die Hand: 2:45,66 Minuten. Damit waren sieben PBs in sieben Disziplinen perfekt. „Ich war einfach im Flow“, sagte der 19-Jährige, der sich mit seinem Trainer Jürgen Sammert eigentlich in Richtung 5.700 Punkte orientiert hatte. Erst im Stabhochsprung, wo er seine Bestmarke um 30 Zentimeter steigerte, sei ein Knoten geplatzt, „da habe ich gemerkt: jetzt geht’s!“

Tim Nowak und Manuel Eitel auf dem Podium
Denn bis zu dieser Disziplin hatte Bechmann in einem starken Feld noch auf Rang zwei gelegen, nachdem ihn der Ulmer Manuel Eitel mit 8,16 Sekunden über die Hürden zwischenzeitig wieder überflügelt hatte. Im Stabhochsprung (4,80 m) musste er dann den Frankfurter wieder vorbeilassen. Über 1.000 Meter zog mit der schnellsten Zeit (2:39,74 min) auch sein Trainingspartner Tim Nowak vorbei, der sich mit Bestleistung im Stabhochsprung (5,10 m) schon herangepirscht hatte.

Silber und Bronze gingen für 5.903 und 5.840 Punkte weg, auf dem vierten Platz sortierte sich mit EM-Teilnehmer Mathias Brugger (5.797 Pkt) ein weiterer Athlet vom SSV Ulm 1846 ein. Der 26-Jährige, der im Winter viel Zeit in sein Studium investiert hatte, kämpfte im Stabhochsprung (4,60 m) mit Problemen und musste dieses Mal die jüngere Konkurrenz ziehen lassen. In guter Form präsentierte sich auch Marvin Bollinger (SV schlau.com Saar 05), der sowohl im Hochsprung als auch mit dem Stab glänzende Sprünge zeigte, den Wettbewerb aber vor den 1.000 Metern mit Beuger-Beschwerden abbrach.

Maximilian Kluth dominiert in der U20
Mit fast 200 Punkten Vorsprung hatte Maximilian Kluth (TSV Bayer 04 Leverkusen) an Tag eins den Weg zum U20-Titel eingeschlagen. Mit 8,42 Sekunden über die Hürden setzte er ihn am Sonntag fort. Im Stabhochsprung war er mit für ihn soliden 4,00 Metern mit einem für ihn längeren Stab zufrieden, vor der letzten Disziplin lag er 160 Punkte in Front. Dann setzte er das i-Tüpfelchen: Starke 2:35,35 Minuten über 1.000 Meter trugen am Ende zu 5.511 Punkten und DM-Gold in seinem allerersten Hallen-Siebenkampf bei.

Die Aufholjagd von Nathanael Weiß (LAZ Ludwigsburg) über die Hürden (8,25 sec) und mit 4,40 Metern im Stabhochsprung ging nur bis zu den 1.000 Metern. Dann musste er nach 3:03,38 Minuten Platz zwei wieder räumen. Auf diesen preschte nach beherzten 2:39,33 Minuten und sage und schreibe sieben Einzel-Bestleistungen Thorben Hast (Hannover 96; 5.202 Pkt) nach vorne. Auch für Henri Schlund (TSV Bayer 04 Leverkusen) lohnte sich der Endspurt (2:40,36 min), denn dieser brachte ihn gar von Platz acht auf drei: Mit 5.067 Punkten hatte er am Ende sieben Zähler mehr auf dem Konto als der Vierte Nathanael Weiß.

"Mein Trainer und ich hatten uns im Vorfeld 5.500 Punkte vorgenommen. Nach dem ersten Tag, mit dem ich nicht ganz zufrieden war, dachte ich schon, das wäre nicht mehr drin. Aber dann kam die Bestzeit über die Hürden", erklärte Maximilian Kluth. "Die 1.000 Meter waren ein reiner Kampf, auf der letzten Runde ging gar nichts mehr, aber da wollte ich mir die Punktzahl nicht mehr nehmen lassen." Mit dem Erfolg zeige sich, dass die schwere Entscheidung des Trainerwechsels sportlich die richtige gewesen und dass er mit seinem neuen Coach Stefan Preß auf dem richtigen Weg sei.

Felix Neudeck überragt trotz Fußbeschwerden
In der männlichen U18 eilte der nach Tag eins führende Felix Neudeck (LG Filstal) in 8,37 Sekunden dem Feld über die Hürden weiter davon. Dass im Hochsprung nur 1,74 Meter in die Protokolle eingingen, konnte der 1,92-Meter-Springer verschmerzen: „Ich habe Sprunggelenksprobleme“, erklärte er und fügte hinzu, dass die Entscheidung für den Mehrkampf-Start erst am Montag gefallen sei. Schon am Vortag hatte er aus Rücksicht auf den lädierten Fuß nur einen Versuch im Weitsprung absolviert.

In der letzten Disziplin aber hinderte ihn die Verletzung nicht daran, dem Feld ein weiteres Mal zu enteilen: In 2:52,51 Minuten war der ehemalige Handballer der Nachwuchsmannnschaften von „FRISCH AUF! Göppingen“ der Schnellste im Feld, am Ende sammelte er 5.004 Punkte und holte sich bei seiner Siebenkampf-Premiere den DM-Titel. „Mich ganz auf die Leichtathletik zu konzentrieren gefällt mir gut“, erklärte er, „es ist schön, mehr Zeit für Technikeinheiten zu haben.“

Die Silbermedaille ging mit mehr als 300 Punkten Rückstand an Jan Volkmar (Eschweger TSV; 4.691 Pkt), die Bronzemedaille sicherte sich wie schon im Vorjahr im M15-Neunkampf Maximilian Karsten (VfL Wolfsburg; 4.600 Pkt).

Silke Bernhart

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