18.10.2013 - Janette Beck, Volksstimme - SC Magdeburg, Abt. Leichtathletik

Der Null-Euro-Meister aus Magdeburg

Marathon „Hobby-Läufer“ Frank Schauer überrascht in München mit Sieg, Bestzeit und Titelgewinn

Wenn am Sonntag der Startschuss zum 10. Magdeburger Marathon fällt, wird Titelverteidiger Frank Schauer nicht dabei sein. Aus gutem Grund. Der 24-Jährige vom SCM war vor einer Woche zu Höherem berufen: Als blutiger Amateur gewann er sensationell den München-Marathon.

Als Frank Schauer vor einer Woche an der Startlinie des Münchner Marathons stand, da war er einer von Tausenden. Nur die Insider kannten den 24-Jährigen, der vor einem Jahr in der tiefsten „Lauf-Provinz“ den Magdeburg-Marathon gewonnen hat – in einer Zeit, für die Deutschlands Asse nur ein müdes Lächeln über haben: 2:31:10 Stunden.

Wen wundert‘s da, dass nicht einmal die Fachzeitschrift „Leichtathletik“ bei ihrer Vorschau auf das Meisterschaftsrennen den gebürtigen Altmärker (Kalbe/Milde) auf dem Schirm hatte. Dabei war dies „offener denn je“, da die besten deutschen Straßenläufer auf Titelehren verzichteten und lieber bei besser dotierten, vermeintlich schnelleren Rennen ihr Glück versuchen.

Doch nach seinem Überraschungs-Coup von München in neuer Bestzeit von 2:18:56 Stunden kennen ihn in der Szene alle: Frank Schauer, den laufenden Maschinenbaustudenten, den Deutschen Meister - „sponsored by Mami und Papi“. Frank Schauer, der seit 2004 für den SCM startet, 8000 Trainingskilometer im Jahr schrubbt, „in der Spitze 250 Kilometer die Woche“ rennt. Frank Schauer, der als vertragsloser Athlet mit seinem Sport „bis dato keinen einzigen Cent verdient hat“ und für seinen Trainingsanzug oder „die fünf Paar Laufschuhe im Jahr selbst aufkommen muss“.

Das alles erzählt er nur auf Nachfrage. Viel lieber plaudert der Schützling von Jürgen Eberding über sein „perfektes“ Titel-Rennen nach zwölfwöchiger Vorbereitung auf den Tag X: „An diesem Tag hat wirklich alles gepasst: Das Wetter war optimal, die Strecke okay, ich auf den Punkt da und auch die Führungsgruppe hat gut funktioniert.“ Aber erst bei Kilometer 39, als er gut zwei Minuten Vorsprung hatte, „da wusste ich: Diesen Sieg kann mir keiner mehr nehmen“, blickt Schauer zurück und schwärmt: „Das Allergrößte war, als Erster im Münchner Olympiastadion durchs Marathon-Tor zu laufen, das war unbeschreiblich...“

Und welchem Traum jagt der frischgekürte deutsche Meister als nächstes hinterher? „Im Frühjahr 2014 möchte ich erst mal meine Zeit bestätigen. Vielleicht klappt es früher oder später auch mal mit einem EM-Start. Aber momentan wäre ich schon mit der einen oder anderen Massage in der Physio zufrieden.“ So bescheiden kann auch nur ein Null-Euro-Meister sein ...

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