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03.06.2019

Rudern: Fünf Goldmedaillen für das deutsche Team bei der EM in Luzern

Eine aus deutscher Sicht sehr erfolgreiche Europameisterschaft ist heute auf dem Rotsee in Luzern zu Ende gegangen. Die Athletinnen und Athleten des Deutschen Ruderverbandes haben bei insgesamt neun Finalteilnahmen fünf Gold, eine Silber- und eine Bronzemedaille gewonnen.

Gold für den Doppelvierer mit Julia Lier (HRV Böllberg-Nelson im SV Halle)
© Bildnachweis: DRV Seyb

Zeidler ist Europameister
Die Spitze im Männer-Einer ist breiter geworden, das zeigte auch das heutige EM-Finale. Der Endlauf bot Spannung bis zum letzten Schlag. Oliver Zeidler (Donau-Ruder-Club Ingolstadt e.V.) hatte sich vorgenommen, sein erstes EM-Finale zu gewinnen. Daran ließ er auf den ersten 1.000 m auch keinen Zweifel aufkommen. Der 22-Jährige setzte sich früh von der Konkurrenz ab und ging mit einer halben Bootslänge Vorsprung auf die zweite Streckenhälfte. Doch dann kamen die anderen Boote ran und der Niederländer Stef Broenink ging als Führender auf die letzten 500 m. In einem spannenden Herzschlagfinale holte Zeidler auf den letzten Metern alles aus sich heraus. Mit einem Luftkasten Vorsprung überquerte er als Erster - vor dem Niederländer und Weißrussen - die Ziellinie und darf sich als neuer Europameister feiern lassen. „Ich wollte das Rennen schnell angehen, habe dann gemerkt, dass die anderen langsamer sind und habe etwas rausgenommen. Als die anderen dann an mir vorbei waren, habe ich mir gedacht, jetzt oder nie und habe komplett durchgezogen. Als ich im Ziel die 1 gesehen habe, war das einfach nur geil“, freut sich Zeidler nach dem Gewinn seiner ersten internationalen Goldmedaille.

Frauen-Doppelvierer holt Gold
Im Rennen des Frauen-Doppelvierers waren es die Weltmeister aus Polen, die am schnellsten aus dem Startblock kamen. Dicht dahinter ordneten sich Michaela Staelberg, Julia Lier, Franziska Kampmann und Schlagfrau Frieda Hämmerling (Crefelder RC/(Hallesche RV Böllberg/RV Waltrop/RG Germaina Kiel) ein. Auf der zweiten Teilstrecke konnte sich das deutsche Quartett am Boot aus Polen vorbeischieben und sogar die Führung übernehmen. Mit einer halber Sekunde Vorsprung ging es auf die zweite Streckenhälfte. Die Niederländerinnen kamen immer weiter auf und gingen gemeinsam mit dem deutschen Boot auf die letzten 500 m. Mit 40 Schlägen pro Minute erkämpften sich die Athletinnen von Trainer Marcin Witkowski auf den letzten Metern die verdiente Goldmedaille, Silber ging an die Niederlande, die Urkaine holt Bronze. „Wir wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird und wir da bestehen müssen. Deshalb wollten wir Attacken setzen, das ist uns auch gelungen. Im Endspurt haben wir dann noch einmal alles gegeben“, so Julia Lier.

Deutschland-Achter verteidigt Titel
Johannes Weißenfeld, Laurits Follert, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Christopher Reinhardt, Malte Jakschik, Richard Schmidt, Schlagmann Hannes Ocik und Steuermann Martin Sauer (RC Westfalen Herdecke/Crefelder RC/RK am Baldeneysee/RC Favorite Hammonia/RV Dorsten/RV Rauxel/RV Treviris Trier/Schweriner RG/Berliner RC) haben den EM-Titel erfolgreich verteidigt. Nachdem die Briten auf den ersten 500 m die Führung übernommen hatten, kam das deutsche Boot im weiteren Rennverlauf immer besser ins Rennen und setzte kurz nach der 1.000 m Marke zum Konter an. Mit knapp einer halben Bootslänge Vorsprung ging es auf die letzten 500 m. Einen Angriff der erstaunlich starken Briten konnte die Crew um Steuermann Sauer erfolgreich abwehren und mit einem Bugkasten Vorsprung das siebte EM-Gold in Folge gewinnen. "Das ist schon Wahnsinn. Mit zwei neuen Athleten an Bord muss man auch erst einmal eine neue Handschrift finden. Das Ende der Fahnenstange ist auf jeden Fall noch nicht erreicht", freut sich Johannes Weißenfeld über seinen insgesamt dritten Titel. "Es war ein harter Kampf. Die Briten haben ordentlich Druck gemacht. Wir haben das heute über Kampfgeist gelöst", so Schlagmann Hannes Ocik.

Erfolgreicher Einstand für den leichten Männer-Doppelzweier
Jason Osborne und Jonathan Rommelmann (Mainzer RV/Crefelder RC) haben sich gesucht und gefunden. Auf ihrer ersten gemeinsamen Regatta gewinnt das Duo auf Anhieb die Goldmedaille. Wie in den Rennen zuvor konnten sich die Jungs von Trainer Robert Sens bereits auf den ersten 500 m eine halbe Bootslänge vom Rest des Feldes lösen. Diesen Vorsprung konnten sie erst einmal verwalten, dann kamen die Italiener auf. Bug an Bug ging es auf die letzten 500 m. Dann setzten die Deutschen zu einen beeindrucken Schlussspurt an und sicherten sich so den EM-Titel. Einziger Wermutstropfen – den Europarekord haben sie um eine Sekunde verpasst. „Das ist mehr als wir uns erträumt haben. Wir wussten aufgrund unserer Trainingseindrücke, dass wir relativ schnell fahren können, aber was das hier am Ende bedeutet, wussten wir im Vorfeld auch nicht. Als wir gemerkt haben, dass die Italiener da Druck machen, kam halt ein Kommando und da waren wir uns beide einig, die Italiener lassen wir heute nicht mehr vor. Und das hat gut funktioniert“, freut sich Rommelmann.

Menzel und Nwajide setzen sich die Krone auf
Leonie Menzel und Carlotta Nwajide (RC Germania Düsseldorf/Deutscher RC von v1884) haben sich nach den Siegen im Vorlauf und Halbfinale heute mit EM-Gold belohnt. Wie bereits in den vorherigen Rennen konnte sich das Duo nach einem schnellen Start direkt mit einer halben Bootslänge Vorsprung von der Konkurrenz absetzen. Nach 1000 m war der Vorsprung auf die zweitplatzierten Rumänninen bereits auf eine Bootslänge angewachsen. Auch durch eine Temposteigerung des Bootes aus Rumänien ließen sich die Athletinnen von Trainer Thomas Affeldt nicht verunsichern und ruderten den Sieg ungefährdet ins Ziel. Was für eine Leistung der Beiden, die erst seit kurz vor der Regatta in Duisburg Mitte Mai zusammen in Boot sitzen. "Ich komme nicht klar, mir fehlen einfach die Worte", freut sich eine total erschöpfte Leonie Menzel über den Traumeinstand im A-Bereich. "Wir sind mit einer für unsere Verhältnisse extrem hohe Schlagzahl durchgefahren. Die Bedingungen waren einfach super. Wir haben hier als Frauen-Skull-Team ein gutes Zeichen gesetzt", so Carlotta Nwajide, die im Anschluss das erst Mal die deutsche Nationalhymne genießen konnte.

Bronze für den Männer-Vierer ohne
Der Männer-Vierer ohne hat sich nach zuletzt 2013 die lang ersehnte Bronzemedaille erkämpft. Nach einem schnellen Start übernahmen Felix Brummel, Felix Wimberger, Maximilian Planer und Nico Merget (RV Münster/Passauer RG/Bernburger RC/Frankfurter RG Germania) auf der ersten Teilstrecke die Führung, dicht gefolgt von den Briten und Polen. Innerhalb eines Luftkastens gingen diese drei Boote auf die zweiten 1.000 m. Dann war es das Boot aus Großbritannien, das sich ein Stück lösen konnte und mit etwas mehr als zwei Sekunden Vorsprung auf die letzten 500 m ging. Auf Rang drei liegend gaben die Jungs von Trainer Tim Schönberg auf den letzten Metern noch einmal alles und freuen sich am Ende über Bronze. „Das war ein bretthartes Rennen, die Sonne brennt richtig. Wir wollten hier eine Medaille holen und das haben wir geschafft. Dass wir hier direkt auf so einem Niveau fahren können, ist schon echt cool. Das Team hier um uns rum hat uns super unterstützt, auch vielen Dank dafür“, freut sich Schlagmann Nico Merget.

Pieper ist Vize-Europameisterin im leichten Einer
Leonie Pieper (RG Germania Düsseldorf) hat heute einen richtig guten Tag im leichten Einer erwischt. Die Düsseldorferin fand gut ins Rennen und ordnete sich nach dem Start auf Rang zwei hinter der Italienerin Federica Cesarini ein. Mit zwei Zehntel Vorsprung auf die drittplatzierte Schweizerin ging es auf die letzten 500 m. Dort konnte Pieper noch einmal alle Körner aus sich rausholen und Silber erfolgreich verteidigen. „Ich hatte mit einer Medaille geliebäugelt, aber nicht fest damit gerechnet. In so einem Rennen muss man es ja auch erst einmal zeigen. Ich wollte die ersten 1.000 relativ ruhig mein Ding machen und dann hab ich den Fokus ganz auf die zweiten 1.000 m gelegt, um dann noch einmal zu fighten“, erklärt Pieper ihre Taktik.

Männer-Doppelvierer verpasst Medaille
Eine Medaille knapp verpasst hat hingegen der deutsche Männer-Doppelvierer. Das Rennen machten hier wie zu erwarten die Niederländer, die in dieser Saison alles in den Doppelvierer gesteckt haben. Lars Hartig, Timo Piontek, Max Appel und Karl Schulze (Friedrichstädter RG/Koblenzer RC Rhenania 1877/1921 e.V./SC Magdeburg/Berliner RC) fanden nicht optimal ins Rennen und ordneten sich vorerst auf dem fünften Rang ein. Mit knapp vier Sekunden Rückstand auf das führende Boot aus Holland ging das deutsche Quartett als Vierter auf die zweite Streckenhälfte, konnte die Lücke zu den Booten aus Italien und Großbritannien auf den Plätzen zwei und drei aber nicht mehr schließen. Am Ende fehlt etwas mehr als eine Sekunde zu Bronze.

Platz 6 für den leichten Doppelvierer
Julian Schneider, Mahni Fatahi, Joachim Agne und Lucas Schäfer (Frankfurter RG Germania/ Ulmer RC 'Donau' e.V./Akademischer RC Würzburg e.V./ Reit- und Sportverein Steinmühle e.V.) hatten mit der Medaillenvergabe im leichten Männer-Doppelvierer heute nichts zu tun. Das Quartett musste bereits nach 500 m die Konkurrenz ziehen lassen und schaffte es im weiteren Rennverlauf nicht, die Lücke zu schließen. Am Ende wird es Platz sechs für das deutsche Boot. „Das war nicht das, was wir uns vorgenommen hatten, wir sind schon alle etwas enttäuscht. Aber aufgeben ist keine Option. Wir werden jetzt an ein paar Stellschrauben drehen und noch mehr Fitness rausholen“, so Julian Schneider.


„Super Ergebnis“ Der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer zeigte sich sehr erfreut über das deutsche Abschneiden. „Das ist insgesamt ein super Ergebnis bei fairen Bedingungen und tollem Wetter. Die junge Leonie und Carlotta haben das super gemacht, auch der Frauen-Doppelvierer und der leichte Doppelzweier waren super. Der Achter hat sehr gut gekontert und sich technisch noch einmal verbessert. Und Olli hat am Ende super reagiert. Jetzt freuen wir uns erstmal, aber es ist auch nur eine EM. Wir müssen jetzt schauen, wie es weitergeht."

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