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24.04.2023

Kanu-Slalom: Halbzeit im Kampf um die WM-Plätze – alles noch offen

In fast allen Kategorien haben sich die Etablierten in eine sehr gute Ausgangsposition gefahren. Im Kajak-Herrenbereich setzen die Jungen die Erfahrenen unter Druck.

Timo Trummer auf dem Markkleeberger Wildwasserkanal.
© Bildnachweis: Uta Büttner

Nach den ersten beiden von vier Rennen um die begehrten drei Plätze jeder Bootsklasse in der Nationalmannschaft stach Elena Lilik (KS Augsburg) als Doppelstarterin in Markkleeberg mit ihren drei Siegen, zwei im Canadier-Einer und einer im Kajak-Einer, heraus. Sie, Kajakspezialistin Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) und C1-Fahrerin Andrea Herzog (Leipziger KC) sind im Damenbereich nach wie vor das Maß aller Dinge. Auffallend an diesem Wettkampf-Wochenende, dass Olympiasiegerin und Doppelweltmeisterin Funk nicht mehr mit den großen Abständen wie in der vergangenen Saison allen davonfährt. „Die Jungen kommen auf jeden Fall nach, das ist ganz klar, und das ist auch gut so. Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagte sie lachend zum Abschluss der zwei Rennen. Dennoch, zu 100 Prozent sei sie mit ihren Läufen noch nicht gewesen, „aber ich bin zufrieden mit meinem diesjährigen Einstieg in die Qualifikationen.“ Nach den beiden Leistungsträgerinnen wird der Kampf um den dritten WM-Startplatz vermutlich zwischen Jasmin Schornberg (KR Hamm), der Leipzigerin Cindy Pöschel, die am Sonntag auf den dritten Rang paddelte und Liliks jüngerer Schwester Emily Apel ausgetragen. Letztere machte über den Winter einen deutlichen Schritt nach vorn. Als vierte im zweiten Rennen hatte sie auf Funk lediglich 2,16 Sekunden Rückstand.

Nicht optimal startete C1-Weltmeisterin Andrea Herzog in die Qualifikationsrennen. Auf ihrer Heimstrecke musste die 23-Jährige ihrer Kontrahentin aus Augsburg den Vortritt lassen, wobei beide im zweiten Finalrennen keinen guten Lauf erwischten. Lilik zog es auf einen Poller, einen Absturz konnte sie nur mit Akrobatik verhindern, „es war nur noch ein Überlebenskampf“, sagte die 24-Jährige. Dennoch verlor sie dabei das nächste Tor nicht aus den Augen, „ich wollte das unbedingt treffen.“ Angetrieben von alles oder nichts, ging sie im weiteren Verlauf höchstes Risiko ein, was am Ende belohnt wurde. Herzog fand keine gute Linie im Wasser und berührte vier Tore. Doch aus Erfahrung der vergangenen Jahre hat das alles noch nichts zu bedeuten – im Gegenteil. Auch 2021 und 2022 war die Leipzigerin mit ein paar Schwierigkeiten in die Saison gestartet, um das Olympia-Bronze und ein Jahr später den WM-Titel zu gewinnen. Spannend wird es deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nur um den jeweils dritten Platz im WM-Team. Im Canadier scheint es auf einen Kampf zwischen Nele Bayn vom Leipziger KC – sie paddelte sich voriges Jahr in das WM-Team – und Jannemien Panzlaff (KV Schwerte) hinauszulaufen. Beide haben zur Halbzeit jeweils einen dritten und vierten Platz zu Buche stehen.

Herrenkonkurrenz
Bei den Kajak-Herren hat ein gewohnt extrem spannender Kampf um die WM-Plätze begonnen. Es ist alles noch offen, dennoch überzeugte am meisten Kanu-Schwabe Noah Hegge mit vier guten Läufen – einschließlich der Halbfinalrennen. „Ich bin sehr zufrieden.“ Aber mit dem Wissen, dass noch zwei Rennen vor der Brust sind und noch alles passieren kann, muss ich nächsten Woche da anfangen, wo ich heute aufgehört habe“, sagte Hegge. Sein Vorteil sei, dass er sich im Gegensatz zu allen anderen noch etwas erlauben könne, „das will ich aber nicht.“ Gar nichts mehr erlauben darf sich Olympia-Bronzegewinner Hannes Aigner vom Augsburger KV. Nachdem es bereits im ersten Lauf nicht optimal lief, funktionierte im zweiten Rennen wenig. Eine Berührung schon im oberen Abschnitt wäre wahrscheinlich noch zu verkraften gewesen, aber dann kam er am letzten Aufwärtstor von der Linie ab, streckte seinen Hals noch hinein, doch es reichte nicht. Um dafür nicht 50 Strafsekunden zu kassieren, fuhr er das Tor noch einmal an, was ihm wichtige Sekunden kostete. Am Ende bedeutete das für ihn Rang sechs. In eine sehr gute Position nach der Halbzeit setzte sich auch der Hammer Stefan Hengst. Der 29-Jährige paddelte auf die Plätze eins und vier. Ein Achtungszeichen setzte Tim Bremer (KST Rhein-Ruhr) mit seinem Sieg am zweiten Tag, im ersten Lauf paddelte er auf Rang fünf. „Zu zeigen, dass man so schnell und sogar schneller als das alte Team fahren kann, fühlt sich sehr gut an“, sagte der 22-Jährige. Aber auch Joshua Dietz und Samuel Hegge zeigten punktuell gute Leistungen und können noch ganz vorn mitmischen. Der K1-Herren-Wettkampf wird ganz sicher bis zuletzt offen sein.

Im Canadier-Herrenbereich präsentierte sich Weltmeister und Olympia-Bronzegewinner Sideris Tasiadis (KS Augsburg) in sehr guter Form. Mit zwei Siegen verschaffte er sich eine gute Ausgangsposition für den zweiten Qualifikationsteil in Augsburg. „Die Strecke fand ich heute ein bisschen schwieriger als gestern“, meinte Tasiadis. Gerade im zweiten Rennen sei auffällig gewesen, dass er sich keinen großen Fehler leisten dürfe, „denn dann sind die anderen da.“ WM-Dritter Franz Anton (Leipziger KC) hatte ein paar mehr Unsicherheiten, die Vereinskollege Lennard Tuchscherer im zweiten Rennen zu nutzen wusste – er schob sich auf Rang zwei und ist somit auch gut im Rennen. Doch auch Timo Trummer (KV Zeitz) will mit seinem dritten Rang an Tag eins ein Wörtchen mitreden, ebenso wie der 21-jährige Julian Lindolf (KS Augsburg), der seine Fahrqualitäten punktuell zeigte. So ging er mit der zweitbesten Halbfinalzeit im ersten Wettkampf in das Rennen. „Es war schade, dass ich dann auf den siebten zurückgerutscht. Heute war es sehr schön, dass mein Finallauf sehr gut geklappt hat“, sagte Lindolf.

Es bleibt also spannend. Insgesamt werden vier Rennen gefahren. Die Wertung erfolgt dabei nach einem Punktesystem, wobei das schlechteste Ergebnis gestrichen wird. Am morgigen Samstag können demnach schon Vorentscheidungen fallen.

Text: Uta Büttner


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