Paralympics: Drittgrößtes Team, Sportarten-Rekord und maximale Vorfreude
Mit der drittgrößten deutschen Mannschaft in der Geschichte der Paralympischen Winterspiele wird sich das Team Deutschland Paralympics auf den Weg nach Mailand und Cortina 2026 machen – und bei den am 6. März beginnenden Spielen in so vielen Sportarten vertreten sein wie noch nie. Mindestens 38 Athlet*innen und sieben Guides werden in fünf Sportarten um Medaillen und Top-Platzierungen kämpfen – weitere Startplätze könnten noch folgen.
„Auf diesen besonderen Moment haben die Athletinnen und Athleten in den vergangenen Jahren intensiv hingearbeitet. Bei den Paralympics wollen sie sich belohnen, Bestleistungen zeigen und ihren Sport sichtbar machen“, betont der Vorstand Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband (DBS), Marc Möllmann, der in Italien nach dem Tod von Dr. Karl Quade auch erstmals die Funktion des Chef de Mission ausüben wird, und fügt an: „Ein erstes Ziel haben wir schon erreicht, da wir mit Para Ski alpin, Para Biathlon, Para Skilanglauf, Para Eishockey und Para Snowboard in fünf Sportarten dabei sind. Das sind so viele wie nie zuvor bei Winter-Paralympics. Zudem ist unser Team so groß wie seit vielen Jahren nicht mehr, es ist die drittgrößte deutsche Mannschaft bei Paralympischen Winterspielen. Beides stimmt uns bereits im Vorfeld sehr positiv. Nur im Rollstuhlcurling werden die deutschen Farben leider nicht vertreten sein.“
Die Hälfte des Team D Paralympics feiert paralympische Premiere
Das Team D Paralympics für Mailand und Cortina wird sich zusammensetzen aus zehn Athletinnen sowie 28 Athleten. Exakt die Hälfte der Mannschaft feiert paralympische Premiere, darunter allein 13 Para Eishockeyspieler. Bei der ersten und letzten Teilnahme vor 20 Jahren in Turin waren vier Spieler dabei, die auch jetzt wieder zum Aufgebot gehören: Sebastian Disveld, Frank Rennhack, Sven Stumpe und Jörg Wedde. Letzterer ist mit 60 Jahren der älteste Athlet des Team D Paralympics. Der Jüngste kommt ebenfalls aus der Sportart Para Eishockey: Jano Bussmann feiert im Laufe der Paralympics seinen 19. Geburtstag – bei der letzten Teilnahme 2006 war er somit noch gar nicht geboren. Hinzu kommen sieben Guides. Weitere Startplätze könnte es bei der Vergabe sogenannter Bipartite-Plätze (Wildcards) in wenigen Tagen geben.
Mit Kathrin Marchand und Merle Menje (beide Para Skilanglauf) nehmen zwei Athletinnen erstmals an den Winterspielen teil, die aber bereits über Paralympics-Erfahrung im Sommer verfügen. Menje war 2021 in Tokio in der Para Leichtathletik am Start, Marchand 2024 in Paris im Para Rudern. Kathrin Marchand wird damit Sportgeschichte schreiben: Die 35-Jährige ist weltweit die erste Athletin, die bei drei verschiedenen Ausgaben der Spiele dabei ist: Olympische Spiele im Sommer sowie Paralympische Spiele im Sommer und Winter. Eine Konstellation mit absolutem Seltenheitswert, die bisher nur dem Niederländer Jeroen Straathof gelang.
Erfahrenste Athletin ist Andrea Eskau, die seit 2008 an acht Paralympischen Spielen im Sommer und Winter teilgenommen hat – nur die Paralympics in Peking 2022 verpasste Eskau, die neben der Sportart Para Ski nordisch auch im Para Radsport aktiv ist. In Italien erlebt die 54-Jährige ihre neunten Paralympics. Mit Blick auf den Winter hat hingegen Andrea Rothfuss die Nase vorne: Die 14-fache paralympische Medaillengewinnerin geht bei den sechsten Winter-Paralympics in Serie an den Start, angefangen 2006 in Turin. Ein Quintett des aktuellen Aufgebots war somit schon vor 20 Jahren in Italien dabei, als die Spiele letztmals in den europäischen Alpen stattfanden. Begleitet wird die deutsche Mannschaft von 49 weiteren Personen aus dem Funktionsteam, darunter Trainer*innen, Ärzt*innen und Betreuer*innen. Insgesamt werden in Paris mehr als 650 Athlet*innen aus rund 50 Nationen in sechs Sportarten und 79 Wettbewerben um Medaillen kämpfen.
„Eine Mannschaft mit vielen spannenden Charakteren sowie mit Potenzial und Perspektive“
„Das Team D Paralympics besteht aus einem guten Mix aus erfahrenen Athlet*innen, die ihre bereits erzielten Medaillengewinne zu gerne wiederholen möchten, sowie zahlreichen Newcomern, die in Italien ihr Debüt erleben werden. Es ist eine Mannschaft mit vielen spannenden Charakteren und Geschichten, gleichzeitig ist es eine Mannschaft mit Potenzial und Perspektive. Mit Blick auf die Anzahl an Gesamtmedaillen wollen wir es unter die besten sechs Nationen schaffen“, erklärt Marc Möllmann. Ein Selbstläufer werden deutsche Erfolge angesichts der starken internationalen Konkurrenz nicht. So hat China beispielsweise auch im Wintersport – insbesondere durch die Ausrichtung der Spiele 2022 – einen bemerkenswerten Aufschwung hingelegt und sich mit zuletzt 61 Medaillen bei 78 Entscheidungen ganz nach vorne geschoben. Das Team D Paralympics gewann in Peking 19 Edelmetalle, ebenso viele wie vier Jahre zuvor im südkoreanischen PyeongChang.
Möllmann: „Vorfreude und Motivation im gesamten Team Deutschland Paralympics sind riesig. Wir fiebern den Paralympischen Spielen entgegen, die erstmals seit 20 Jahren wieder in unserer Zeitzone und in den europäischen Alpen vor den Augen möglichst vieler Zuschauer*innen stattfinden.“ Idriss Gonschinska, Vorstandsvorsitzender des DBS, hofft auf einen neuen Meilenstein in der 50-jährigen Geschichte der Paralympischen Winterspiele, der dem Sport von Menschen mit Behinderung insgesamt einen weiteren Schub geben wird: „Die Paralympics in Mailand und Cortina fördern die Sichtbarkeit des Para Sports und machen dessen gesellschaftliche Relevanz hautnah erlebbar. Sie verdeutlichen, was Para Sport für unsere Gesellschaft bedeutet: Mut, Exzellenz, Zusammenhalt und die Entschlossenheit, über sich hinauszuwachsen.“
Hier geht’s zum Überblick über das gesamte Team Deutschland Paralympics bei den Winterspielen in Mailand Cortina 2026 inklusive einiger Informationen.
Text: Kevin Müller / DBS



