Vorschau auf die WM: Der heiße Kampf um die Olympia-Quotenplätze startet
Vom 20. bis 25. Juli finden die Weltmeisterschaften im Kanuslalom und Kajak-Cross statt. Wie lief die Saison bisher? Und was erwartet das deutsche Team in Oklahoma City?
Am 20. Juli starten die Weltmeisterschaften im Kanuslalom und Kajak-Cross im US-amerikanischen Oklahoma City, dem Austragungsort von LA28. Ein Rückblick: Beim letzten Wettkampf, dem Heim-Weltcup in Augsburg, vor der WM gab es Licht und Schatten beim. Nach den durchwachsenen Ergebnissen beim Weltcup in Prag eine Woche zuvor wollte das deutsche Team noch einmal richtig Selbstvertrauen tanken, bevor es zur WM-Vorbereitung am 8. Juli in die USA ging. Das war teilweise gelungen. Über allem strahlte der Weltcup-Sieg von Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) im Kajak. Die 34-Jährige zauberte einen nahezu perfekten Lauf den Eiskanal hinunter. Ebenfalls positiv: Canadierspezialist Sideris Tasiadis (KS Augsburg) klopfte nach seiner Verletzung im vorigen Jahr wieder ganz oben in der Weltspitze an. Gut präsentierte sich auch dessen Vereinskollegin Emily Apel im Kajak mit ihrem fünften Platz. Stefan Hengst (KR Hamm) war ebenfalls ins Kajak-Finale gefahren, Platz sieben für ihn. Größter deutscher Hoffnungsträger in dieser Disziplin, Noah Hegge (KS Ausgburg) hatte als 17. den Endlauf nicht erreicht. Und auch die aktuell eigentlich beste deutsche Canadierpaddlerin Andrea Herzog (Leipziger KC) verpasste wegen eines verpassten Tores das Finale.
„Wir haben uns natürlich mehr vorgestellt. Es ist bei der momentanen Leistungsdichte nicht einfach. Jede Nation weiß, was die Stunde geschlagen hat – auch in Richtung Kampf um die Olympia-Quotenplätze“, sagte Cheftrainer Thomas Apel. Denn bereits bei der WM werden die ersten Punkte für LA 2028 vergeben. „Jeder nimmt jeden Wettkampf sehr ernst.“ Apel denke aber, „wir sind gerade im Bereich der C1 Damen relativ deutlich unter Wert geschlagen worden“. Auf eine Pauschalanalyse wölle er sich unmittelbar nach den Wettkämpfen aber nicht einlassen. „Ich denke, Richtung WM müssen wir noch deutlich am Abrufen von sauberen Läufen ohne Torfehler arbeiten. Das bricht uns auch bei den etablierten Athleten das Genick. Wir können die Fahrzeiten mitgehen, aber machen uns das Leben durch die Torfehler selber sehr schwer“, sagte der Cheftrainer. Sorgen wegen der Fehler mache er sich dennoch nicht, „es ist immer gut, wenn man weiß, woran man arbeiten muss“. So könne zunächst in den verbleibenden drei Wochen Heimtraining sehr zielgerichtet an diesem Manko gearbeitet werden. Es sei besser, „als wenn man in die Denke verfällt, ‚wir können das‘, und verkünstelt sich dann. Aber ja“, so betont er, „es ist schon noch einiges zu tun“.
Der Saisonaufbau ist aber eindeutig auf die nun am 20. Juli startende WM in Oklahoma City (USA) und beiden anschließenden Weltcups ausgelegt. Und so bereitet sich das Team aktuell akribisch auf den ersten Wettkampf vor, bei dem die ersten Punkte für die nationalen Olympia-Quotenplätze vergeben werden.
Wie schauen die Athletinnen und Athleten auf die WM?
Ricarda Funk schaut nach dem Weltcup-Sieg in Augsburg optimistisch Richtung WM. „Zuallererst weiß ich: Ich kann mithalten, ich kann ganz vorne mitfahren. Es gibt einen die Bestätigung, dass sich die harte Arbeit im Winter gelohnt hat und gibt einem auch ein Stück weit Selbstbewusstsein.“
Sideris Tasiadis zeigte mit seinem Vorlauf-Sieg, verbunden mit Bestzeit in dem Canadier-Wettkampf beim Weltcup in Augsburg – aber auch seinem am Ende vierten Platz, dass er auf dem richtigen Weg Richtung WM ist. Aktuell sei aufgrund seines Trainingsrückstandes wegen seiner Ellenbogenverletzung im vergangenen Jahr seine persönliche Leistungsfähigkeit bei etwa 90 Prozent, schätzte der 36-Jährige ein. Noch knapp fünf Wochen sind es bis zu WM, er sei optimistisch, dass er auf seine 100 Prozent kommt, „und mir solche Leichtsinnsfehler nicht mehr passieren“. Mit dem Ergebnis von Augsburg nehme er für sich mit, „dass man bei der WM dann auch eine Medaille gewinnen kann“. Aber, so erklärt er, „den Kurs im Oklahoma City in und auswendig zu kennen“, werde nicht möglich sein. Dafür sei zu wenig Zeit. „Aber das Problem wird jeder haben.“ Bezüglich Heimvorteils in den USA sagte er, auch er kenne den Eiskanal wie seine Westentasche, dennoch ist er schlagbar. Und das werde auch in Oklahoma so sein. Die gute Nachricht: Er schätze ein, dass er seine Leistungsfähigkeit erreicht habe.
Doch auch Noah Hegge schaut sehr zuversichtlich Richtung WM. „Meine Ambitionen sind ganz klar: um die Medaillen mitfahren.“ Das habe sich auch nach dem verpassten Finaleinzug beim Heim-Weltcup in Augsburg nicht verändert. In Prag habe er gezeigt, dass er mit einem sehr soliden Lauf das Finale erreichen kann und mit Platz fünf auch sehr eng an Edelmetall war.
Stefan Hengst meinte, in Prag habe man gesehen, „dass ich durchaus schnell genug bin“. Auch sein Finaleinzug in Augsburg sei gut gewesen, selbt wenn er „weit von perfekt war. Aber es geht in die richtige Richtung. Wir arbeiten daran, solide Läufe herunterzubringen. Ich hoffe, dass wir es mit dem Team, mit allen zusammen, schaffen.“
Emily Apel war beim letzten Weltcup vor der WM ganz nahe an einer Medaille. Und auch in Prag paddelte sie ins Finale und zeigte dort eine sehr gute Leistung. Gibt das ihr Selbstvertrauen? „Das sind natürlich Strecken gewesen, auf denen ich schon öfter war. Auf der in Oklahoma fühle ich mich, ehrlich gesagt, noch nicht zu 100 Prozent so sicher“, sagte sie nach dem Weltcup in Augsburg. Aber dafür habe das Team auch noch zwei Wochen Trainingszeit. „Aber rein von den Ergebnissen her kann ich auf jeden Fall mit Selbstbewusstsein in die WM gehen.“
Andrea Herzog (Leipziger KC) schaut optimistisch auf die WM: „Die Vorbereitung läuft ganz gut“. Seit dem Trainingslager war die Strecke noch etwas verändert worden, allerdings „tendenziell zum Besseren“, erläutert sie.
WM-Neuling Lucie Krech (Leipziger KC) kann nach ihrem Sieg im Canadier bei der U23-WM mit vielen positiven Gefühlen an den Start gehen.
Hohe Temperaturen während WM zu erwarten
In Oklahoma City können es im Juli gut und gern um die 40 Grad werden. „Ich mag es eigentlich ganz gerne, wenn es warm ist. Mal schauen, wie heiß es dann dort wirklich ist“, sagte Emily Apel nach dem letzten Weltcup. Bisher hatte das Team bei der Vorbereitung noch Glück, es war noch nicht ganz so heiß. Aber an den Wettkampftagen sollen laut Wettervorhersage dann tatsächlich die 40 Grad erreicht werden.
Noah Hegge sieht den Mix aus schwierigem Kanal und der hohen, zu erwartenden Temperaturen in Oklahoma als Herausforderung. „Die Wetterbedingungen sind natürlich erst einmal die körperliche Komponente, dass man erst einmal frisch an der Startlinie steht. Das kann man aber mit externen Faktoren bestmöglich in den Griff bekommen. Man muss sich am Anfang sehr schnell akklimatisieren, dass man sich an die Temperaturen gewöhnt. Und im Zweiten geht es darum, sich den Kanal so zu erarbeiten, um einfach die Momente zu erkennen, die das wechselhafte Wasser mit sich bringt, um auf dem Wasser zu agieren.“ Sideris Tasiadis sieht es ähnlich: „Die klimatischen Bedingen werden erst einmal sehr hart sein. Das Wasser wird sehr warm sein“, nicht wie in Augsburg, wo man eine Abkühlung bekommt. Aber man könne sich anpassen. Entsprechende Vorkehrungen hat das Team getroffen. Zum Beispiel gehören Kühlwesten zur Ausrüstung. „Die Körpertemperatur unten zu halten ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor, um Kraft zu sparen und leistungsfähig zu sein“, sagt Andrea Herzog.
Welche Herausforderungen hat der WM-Kanal?
„Die Strecke hat ihre Tücken. Das Wasser fließt sehr schnell. Es gibt auch sehr viele Stellen, wo das Wasser sehr unregelmäßig fließt. Das sind wir, glaube ich, mit unseren Erfahrungen aus Augsburg, wo das ähnlich ist, schon in einer sehr guten Position, uns darauf einzustellen“, erläuterte Cheftrainer Thomas Apel. Man werde schwierige Strecken erwarten können, „was uns auch entgegenkommt“. Bezüglich Streckenhängung sagte er, „man muss auf alles gefasst sein. Auf alles vorbereitet sein. Und da werden wir unser Bestes tun, dass die Athleten in Oklahoma am Start stehen und mit guten Vorerfahrungen und Gefühlen in den Wettkampf gehen können.“
Tasiadis sagte zu der Strecke: „Der ist ein bisschen anderes als alle anderen Kanäle, weil es sehr pumpt, finde ich“. Zudem gebe es sehr viele kleine Walzen und Wellen, „die mit viel Luft gefüllt sind“. Deshalb könne man sich nicht so sehr auf die Wellen und Walzen verlassen, „man muss ein bisschen mehr selbst für sich machen, damit das Boot auf der Linie drauf bleibt“.
Lennard Tuchscherer (Leipziger KC) habe noch Probleme, sich mit dem Kanal anzufreunden. Immer wieder würden ihm Fehler passiere. Und, „der Kanal lässt einen nie in Ruhe. An jeder Stelle, in jeder Position muss gearbeitet werden, um vorwärts zu kommen, was nicht immer leicht ist“. Zudem würden die Drops viel Timing und Geduld erfordern.
WM-Strecke vermutlich nicht Olympia-Strecke
Von der WM-Strecke können allerdings noch wenig Rückschlüsse Richtung Olympia mitgenommen werden, da wahrscheinlich die Spiele auf dem zweiten dort befindlichen Kanal ausgetragen werden. Aktuell ist das der deutlich einfachere Freizeitkanal, an dem aber noch Veränderungen vorgenommen werden. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2027 nach dem Weltcup-Finale in Amerika das erste Mal dann auf der richtigen Olympia-Strecke trainieren werden“, sagt Cheftrainer Apel. Der Grund sind logistikbedingt: Aufbau der Zuschauertribünen und Konzipierung der Fluchtwege.
Uta Büttner
Live-Ergebnisse: https://www.canoeicf.com/canoe-slalom-world-championships/oklahoma-city-2026/results



